Ayurveda by Giardino: Ein neuer Lebensweg

Viele Menschen wollen im Urlaub mehr als nur Erholung: Sie suchen nach Wegen, ihr Leben zu verbessern – mit traditioneller indischer Heilkunst. Richtig gute Anwendungen gibt es heute auch in der Schweiz.

Ayuveda ist mehr als nur eine Heil- oder Kochkunst. Es ist eine Lebensweise, die uns unterstützt, mehr Glück zu empfinden, gesünder zu sein und uns als Mensch weiter zu entfalten.

Sicher kennen Sie das auch; randvolle Terminkalender, ständige digitale Verfügbarkeit, Listen, die immer länger werden und das Gefühl, immer unter Strom zu stehen; alles Dinge, die uns belasten, uns Energie rauben, schlecht schlafen lassen und uns auf Dauer krank machen – und dann zu allem Überfluss noch Corona. Vieles, was in den letzten Monaten passiert ist, hat auch mich an meine Grenzen gebracht. Körperlich und seelisch. Nun ist es an der Zeit für einen Neubeginn. Für bewusste Schritte hin zu mehr Achtsamkeit mir selbst gegenüber.

«Mach doch Ayurveda», rät mir eine Kollegin. Sie schwärmt von Ihrer Reise nach Indien, die mich leicht neidisch werden lässt: Eine Ayurveda-Kur in Kerala: vegetarische Ernährung, variantenreiche Ölmassagen und täglich Yoga: «So gut wie nach diesen drei Wochen habe ich mich lange nicht mehr gefühlt.» Doch: Covid-19 erschwert das Reisen, Indien ist weit weg und Kultur und Behandlung sind ganz anders, vor allem, die wenigsten nehmen sich so viel Zeit für eine Kur.

Daher kommt die Einladung ins Tessin wie gerufen. Im Fokus des dreitägigen Aufenthalts: authentisches Ayurveda, wie es sonst nur im Heimatland der jahrtausendealten Heilslehre geboten wird. Das Fünf-Sterne-Hotel Giardino Ascona am Lago Maggiore beweist, dass Ayurveda-Philosophie und europäische Nobelhotellerie kein Widerspruch sein müssen. «Das funktioniert durchaus», sagt die diplomierte Ayurveda-Medizinerin Sigrun Laepple. «Theoretisch geht Ayurveda überall. Wichtig ist, dass es richtig verstanden und umgesetzt wird.» Überzeugt von der jahrtausendealten Heilmedizin, wollte Daniela Frutiger, CEO der Giardino Hotels sowie Gründerin der Kosmetikmarke dipiù, ihren Gästen lange Flugreisen und belastende Klimaumstellungen ersparen und gründete 2016 das Ayurveda-Kompetenzzentrum im Giardino Ascona. Warum die indische Kur auch im Tessin funktioniert, ergibt sich aus der Philosophie. Die ayurvedische Lehre sieht sogar vor, dass Kuren in gewohntem Umfeld stattfinden und Nahrungsmittel gegessen werden sollten, die dem Körper vertraut sind.

Genuss und Wohlgefühl statt Verzicht und Klimastress.
Ayurveda by Giardino

Jeweils für ein paar Tage tauscht Sigrun Laepple ihre Praxis in Thalwil mit einem Behandlungsraum im Hotel Giardino. «Ich liebe den Austausch mit meinen Kolleginnen hier in Ascona». Frau Laepple begrüsst mich in ihrem kleinen Behandlungsraum zu einem Erstgespräch und startet mit der Anamnese: Sie fühlt meinen Puls, achtet auf die Beschaffenheit von Haut, Haar sowie Körperbau, fragt nach der Ernährung, Verdauung, Schlaf, nach dem sozialen und emotionalen Umfeld, schaut in die Augen und auf die Zunge. Ursprünglich arbeitete die diplomierte Naturheilpraktikerin im Bereich Tanz und Theater, bevor sie sich vor 20 Jahren mit indischer Kultur und Philosophie zu beschäftigen begann. Ihre Kompetenz und Ihr Fachwissen schöpft sie aus ihrem langjährigen Erfahrungsschatz als Ayurveda-Ernährungsberaterin und Massagetherapeutin. 90 Minuten später stellt sie meinen Bioenergie-Typ – Dosha im Fachjargon – fest und erklärt mir, wo ein Missverhältnis vorliegt, dem man mit entsprechenden ausgleichenden Massnahmen entgegenwirkt. Wichtige Komponenten bei der Wiederherstellung und dem Halten des Dosha-Gleichgewichts sind unter anderem die Ernährung, Yoga, Meditation und spezielle Behandlungen. «Sie sind ein sogenannter Pitta/Vata-Typ. Ich empfehle Ihnen Abhyanga, eine Ganzkörper-Ölmassage, da es sich besonders für stressanfällige Vata-Typen eignet, weil es das Nervensystem beruhigt und das Verdauungsfeuer gestärkt wird», erklärt mir Frau Laepple. Pitta-Typen dagegen können sehr verbissen sein und überschätzen leicht ihre Grenzen und ihr Energiepotential, daher neigen sie leicht zum «Ausbrennen». «Sie schlafen häufig zu wenig», meint die 56-jährige Heilpraktikerin und erklärt mir dann das Grundprinzip des Ayurveda, bestehend aus der Harmonie innerhalb des Menschen als auch zwischen ihm und seiner Umwelt. Sie rät mir dazu nur warme oder heisse Getränke zu mir zu nehmen, verordnet mir ayurvedische Massagen und Anwendungen sowie einen auf mich persönlich zugeschnittenen Speiseplan.

Das mediterrane Klima im sonnenreichen Tessin und das kleine Paradies namens Giardino, was so viel wie Garten heisst, tun sein Übriges. Das Fünf-Sterne-Haus liegt ein wenig ausserhalb des Zentrums von Ascona, zwischen Golfplatz und See. Toskanisch anmutenden Villen schmiegen sich in einen weitläufigen, mediterranen Garten. Der Duft von Lavendel und Mimosen liegt in der Luft. Eukalyptusbäume spenden Schatten und Ginster leuchtet in intensivem Gelb. Im Seerosenteich ziehen Kois gemächlich ihre Runden. In diesem Garten Eden entspanne ich nach meiner Massage und vergesse alles um mich herum. Der Alltag rückt in weite Ferne.

Pool-Landschaft des Giardino Ascona

Beim Abendessen gibt es statt Brot «Happy Kapha», eine Giardino-Gewürzmischung, die neue Leichtigkeit schenken und das Verdauungsfeuer entfachen soll. Dieses habe ich auch dringend nötig, denn seit Beginn meiner dreitägigen Ayurveda Experience leide ich unter Verstopfung. Meine Gelberbsen mit Aubergine, Zucchini und Sesamsauce werden daher besonders kräftig mit dem Pulver bestäubt. Gewürze spiegeln in der ayurvedischen Essenskunde eine besonders grosse Rolle, die entschlackende, entgiftende und Konzentration stärkende Eigenschaften aufweisen können. Die Gerichte der ayurvedischen Karte, deren kulinarischer Fokus auf heimischen Zutaten, Gewürzen und Kräutern liegt, sind vielseitig und sehr lecker. Dafür sorgen Executive Chef Salvatore Frequente und sein Team. Das Essen als sinnliches Erlebnis geniessen, um sich hinterher besser und gestärkt zu fühlen ist das Ergebnis aus der Verbindung von ayurvedischer Inspiration und Frequentes Kochstil. Seine Küche im Restaurant Hide & Seek bezeichnet der gebürtige Sizilianer als leichte, innovative mediterrane Küche. Doch er mag auch die Schweizer Küche. Fisch und Fleisch bezieht Frequente vorzugsweise aus der Region. Im Gourmetrestaurant nebenan kocht Rolf Fliegauf, heute einer der höchstdekorierten Köche der Schweiz. Der «Guide Michelin» hat ihm zweimal zwei Sterne verliehen, der GaultMillau 18 Punkte – für das Ecco Ascona und für das Ecco St. Moritz im Giardino Mountain (Champfèr - St. Moritz), das er in den Wintermonaten führt.

Links von mir schlürft eine amerikanische Familie Austern. Ich nippe an meinen Basilikumtee, der zwar nach nichts schmeckt, mich aber bei meinem Dosha unterstützen soll und ein echter Boost für Gehirnzellen sei. Besonders am Morgen fällt es mir schwer, den Verlockungen auf dem Buffet zu widerstehen. Zu verführerisch ist der Duft der frischgebackenen Brötchen. Am Nebentisch sitzt eine 67-jährige Deutsche Ärztin. «Ich habe vor 10 Tagen mit dem Kaffeetrinken und Alkohol aufgehört um mich auf die Kur vorzubereiten.» Früher sei die Münchnerin oft nach Indien oder Sri Lanka geflogen, wo Ayurveda auch herkommt. Jetzt verzichtet sie auf Langstreckenflüge und stiess bei ihrer Recherche nach Alternativen auf das Giardino Ascona. Zu meiner Verwunderung habe ich absolut kein Verlangen nach Kaffee, doch gegen Mittag meldet sich mein Kopf: Giftentzug. Erst vor vier Tagen habe ich damit begonnen, meinen Kaffeekonsum einzuschränken. Also gönne ich mir einen Espresso ohne Milch und Zucker. Auch das Guetzli lasse ich brav links liegen. Ein Espresso pro Tag sei auch völlig in Ordnung, meint Frau Laepple, da es sich bei der Ayurveda-Küche nicht um eine strikte Diät mit Verzicht und Dogmen handelt. «Vielmehr ist es eine sehr reichhaltige, vielfältige Ernährungsform, bei der der Genuss und die Freude am Kochen und Essen im Vordergrund stehen.»


Am nächsten Tag steht eine weitere Massage auf dem Programm. Den Händen von Frau Laepple entgeht keine Verspannung, bei Menschen, die viel denken, massiert sie lange den Kopf. Das Zeitgefühl geht verloren, und Abermillionen Nervenenden in der Haut sind scheinbar so beschäftigt, dass der Kopf abschalten kann. Nach knapp zwei Stunden Wohltat wird mir Kräutertee gereicht und der Weg ins Dampfbad gezeigt. Schöner Nebeneffekt: Meine Haut ist seidenweich. «Bei diesen Massagen passiert energetisch unheimlich viel», erzählt mir die Deutsche Ärztin, die bereits zum dritten Mal als Gast hier ist. Ihr ganzer Stoffwechsel habe sich in der vergangenen Woche umgestellt, sagt sie euphorisch. Und eines ist sicher: «Unter Garantie ist es nirgendwo in Indien oder Sril Lanka so sauber und hygienisch wie hier», sagt die Ärztin und lacht.

Neben der konstitutionsgerechten Ernährung spielen Meditation und Yoga eine wichtige Rolle – Yoga ist die Physiotherapie des Ayurveda.

Da Erholung und Heilung im Kopf beginnen, und Yoga hilft, sich geistig zu befreien – zum Beispiel von unnötigen Gedanken – gehören zur Regeneration auf physischer, emotionaler und geistiger Ebene begleitende Achtsamkeits-Techniken wie Yoga und Meditation. Atemübungen und das Üben der Asanas. Für mehr Wohlbefinden sorgt auch die ayurvedische Morgenroutine. Dabei empfiehlt Frau Laepple früh aufzustehen: «morgens befindet sich die meiste Lebensenergie in der Atmosphäre.» Unmittelbar nach dem Aufstehen soll man Gifte, die sich über Nacht auf der Zunge abgesetzt haben, mit einem Zungenschaber entfernen. Danach geht es weiter mit dem sogenannten Ölziehen. Einen Esslöffel Sesamöl, oder je nach Geschmack ein anderes hochwertiges Pflanzenöl, in den Mund und dann langsam mit geschlossenem Mund 5 bis 10 Minuten das Öl hin- und her bewegen und durch die Zähne «ziehen», damit die Mundschleimhaut überall erreicht wird. Das Öl verändert seine Farbe und Konsistenz, da es Bakterien und gesundheitsschädigende Stoffe bindet. Anschließend wird das Öl in ein Gefäss gespuckt und ordnungsgemäss entsorgt. Im Anschluss werden die Zähne geputzt. Um den Darmtrakt zu aktivieren, empfiehlt es sich dann auf nüchternen Magen zwei bis drei Gläser lauwarmes Wasser zu trinken.

Junior Suite

Nach drei Tagen treffe ich Frau Laepple zum Schlussggespräch. Sie überreicht mir eine detaillierte Beschreibung meiner Doshas mit Empfehlungen und Tipps, wie ich Ayurveda einfach in meinen Alltag integrieren kann. «Unser Programm Ayurveda Kennenlernen ist für Einsteiger, die sehen möchten, wie es funktioniert. Viele der Schnupperer buchen dann eine grosse Kur», berichtet Laepple aus Erfahrung.


 

Ayurveda und Co.

Ayurveda, die traditionelle indische Heilkunst, bedeutet «Wissen vom Leben» und wird seit über 3000 Jahren praktiziert. Sie ist eine Kombination aus Wissenschaft und Philosophie, die sich auf die für unsere Gesundheit wichtigen physischen, mentalen und emotionalen Aspekte konzentriert.


Im Ayurveda beruht Gesundheit auf dem Gleichgewicht von den drei Lebensenergien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha, die in jedem von uns vorhanden sind. Wenn eine Kraft unausgeglichen ist, zu stark oder zu schwach, wird sie mit ayurvedischen Behandlungen ausbalanciert. Ayurveda unterstützt die innere Harmonie. Für jeden Dosha-Typen empfehlen sich individuelle Gesundheitstipps zur Ernährung, Bewegung oder Entspannung.


Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von der Giardino Group.



«AYURVEDA KENNENLERNEN» Dauer: 3 Tage/2 Nächte

Preis: CHF 980.– inklusive ayurvedische Tri-Dosha-Vollpension für 2 Tage (zzgl. Zimmerpreis für 2 Nächte)

Verfügbarkeit: In der Sommersaison im Giardino Ascona sowie in der Wintersaison im Giardino Mountain auf Anfrage und nach Verfügbarkeit www.giardinohotels.ch