Above – Die «Veredelung» der Berge

ABOVE ist das erste Buch des im Wallis wohnhaften belgischen Hochgebirgsfotografen Thomas Crauwels. In zehnjähriger Arbeit sind ästhetische Schwarz-Weiss-Bilder einiger der höchsten Gipfel der Alpen entstanden.

Wohnhaft in Torgon im Kanton Wallis, stammt Thomas Crauwels ursprünglich aus Belgien. Bereits bei seiner ersten Ankunft in der Schweiz verliebte er sich in die hiesigen Berge – besonders in den Schnee, den er als «kostbar» bezeichnet. Seine Affinität zur Fotografie wird durch den Wunsch, diese Entdeckung mit seiner Familie in der Heimat zu teilen, neu entfacht. «Mein Ziel ist es, diese Anmut, die ich bei der Betrachtung der alpinen Landschaft empfinde und die sich meinem staunenden Blick offenbart, für jeden zugänglich zu machen», erklärt Crauwels. «Die einzigartigen Emotionen zu übermitteln, die durch diese schwebenden Momente, deren Zeuge ich in den Alpen bin, entfacht werden, das ist mein ultimatives Bestreben.»


90 von 138’000 Motiven ausgewählt

Nach seiner Ankunft in der Schweiz beginnt Thomas Crauwels, sich mit den einfacher zugänglichen Gipfeln vertraut zu machen. Schnell führt ihn seine Hartnäckigkeit in immer grössere Höhen und er beginnt, sich auf Gletscher und das Hochgebirge zu konzentrieren. Stand zu Beginn seines Werkes noch die künstlerische Sensibilität im Vordergrund, so hat nun die Rigorosität in seinen Motiven überhandgenommen. Das Ergebnis ist überwältigend. «Im Durchschnitt verbringe ich etwa 80 Tage im Jahr auf Exkursion. Über die letzten 10 Jahre hinweg entstanden so 138’000 Fotos, von denen 1‘000 ausgewählt wurden. Das bedeutet, dass die Quote der gelungenen Fotos weniger als ein Prozent beträgt», erklärt Thomas. «Ich habe ein Jahr gebraucht, um die 90 Fotos auszuwählen, die in ABOVE präsentiert werden.» Die Suche nach dem perfekten Moment

Während Crauwels die Umgebung erkundet, schärft sich sein Blick und er beginnt, sich das Foto und die Aufnahmebedingungen vorzustellen – mit der Hoffnung, es realisieren zu können. «Beim Aufstieg zu einem Gipfel beispielsweise sah ich ein besonderes Licht auf dem Matterhorn, das mich inspiriert hat», erzählt Crauwels. «Für das Foto, das ich sofort im Kopf hatte, brauchte ich Schneefall während Nacht, aber einen klaren Himmel bei Sonnenaufgang sowie ein Stativ. Ein echtes Kopfzerbrechen, galt es doch 1’600 Höhenmeter mit der gesamten Ausrüstung zu überwinden.» Thomas Crauwels fand sich schliesslich nachts in einem vom Sturm durchnässten Zelt wieder, das ihm im Gesicht klebte.

Doch er wusste, dass sich die mühsame Expedition lohnen würde. Denn im Morgenlicht schoss er nach eigenem Ermessen sein bisher schönstes Foto: das Matterhorn, frisch mit Neuschnee bepudert, im klaren Licht nach dem nächtlichen Sturm. Den richtigen Blick, die Analyse des Gebirges, die meteorologische Vorhersage, das Warten auf den idealen Moment – alles Parameter, die es zu beherrschen gilt, um solch unfassbare Momente wiederzugeben. «Der Augenblick der Erleichterung, wenn das richtige Bild entsteht, ist oft unerwartet, und es ist eine Kunst, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aber wenn alles stimmt, dann bleiben die Emotionen intakt und werden auf dem fertigen Werk wiedergegeben.» Zeuge eines Paradoxons: Zwischen ewiger Schönheit und Klimawandel

Der künstlerische Ansatz von Thomas Crauwels ist das Gegenteil des Postkartenfotos. Doch die Fähigkeit des Fotografen, den distinkten Charakter der alpinen Landschaft wiederzugeben, verleiht dem Bild in ästhetischer Hinsicht einen Zeugniswert. In Crauwels Fotografien kristallisiert sich eine Mischung aus Ehrfurcht und Faszination heraus; eine Bescheidenheit inspiriert vom Gefühl, privilegiert zu sein. Weit entfernt von glatten und figurativen Klischees zeugt sein Werk von einem dramatischen Gipfel, der fortlaufend den ständigen atmosphärischen Veränderungen unterworfen ist und seine paradoxe Schönheit offenbart: Hinter seiner unverrückbaren und ewigen Erscheinung enthüllt er einen sich wandelnden Charakter und erinnert daran, dass dem Gesetz der Vergänglichkeit nichts entkommt.


Thomas Crauwels ist seit 2010 auf Bergfotografie spezialisiert und hat sich schnell zu einem bedeutenden Künstler in der zeitgenössischen Welt der Alpen entwickelt. Seine Inspiration hat ihn zu den hohen Gipfeln der Täler von Zermatt, Berner Oberland, Saas-Fee, Wallis, Engadin und Chamonix geführt. Thomas vermittelt uns seine Faszination für die Welt der Mineralien und des Eises des Hochgebirges. Auf den Spuren der Alpenmaler des 18. und 19. Jahrhunderts verewigt Thomas weiterhin die Erinnerungen an die sich ständig verändernden Alpen. Er bringt eine künstlerische Qualität in die Bergfotografie ein, die bisher durch den erforderlichen figurativen Aspekt ersetzt wurde, um die Schönheit der Alpen einem breiten Publikum zu zeigen. Seine Schwarzweissfotografien der Alpen werden besonders für ihre Erforschung der Stimmungen, Texturen und Lichter der Hochgebirge der Alpen gefeiert. «Auf den Fotos sehe ich die Veränderungen in den letzten zehn Jahren, ich bin wider Willen Zeuge der Erosion und vor allem des Abschmelzens der Gletscher. ABOVE möchte eine eigentlich zeitlose Schönheit weitergeben, die dennoch einen historischen Charakter hat; eine Darstellung der Alpen, wie sie zu einer bestimmten Zeit waren.» ABOVE ist in allen Buchhandlungen der Schweiz erhältlich, auch in den grossen COOP- und Migros-Zentren sowie an den Kiosken von Valora.


www.thomascrauwels.ch